KVBB und GZB diskutieren Zukunft der ambulanten Versorgung und Vergütungsproblematik in Brandenburg an der Havel

Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg und des Gesundheitszentrums diskutierten über die Zukunft der ambulanten Versorgung und die aktuelle Vergütungsproblematik

Vertreterinnen der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) haben kürzlich das Gesundheitszentrum Brandenburg an der Havel (GZB) besucht. Unter dem Titel „KVBB-Vorstand meets GZB“ trafen sich die KVBB-Vorstandsvorsitzende Catrin Steiniger und Anke Speth, Präsidentin der Vertreterversammlung der KVBB, mit der GZB-Geschäftsführung Dr. med. Milena Schaeffer-Kurepkat und Felix Richter. Im Mittelpunkt des gut zweistündigen Austauschs stand die Zukunft der ambulanten Versorgung in der Stadt.

Wachsende Verantwortung und strukturelle Verankerung

Diskutiert wurde der stetig wachsende Versorgungsauftrag des GZB als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Seit 2013 hat sich die Zahl der Kassenarztsitze des Zentrums mehr als verdoppelt. Das GZB ist seit 2005 eine hundertprozentige Tochter des kommunalen Universitätsklinikums Brandenburg an der Havel und betreibt fünf MVZ an elf Standorten in Brandenburg an der Havel und Umgebung. Mit rund 40 KV-Sitzen, zwei D-Arzt-Zulassungen und 16 Fachrichtungen – von haus- und fachärztlichen Praxen bis zu diagnostischen Instituten für Laboratoriumsmedizin, Pathologie, Nuklearmedizin und Radiologie – ist das Zentrum eine zentrale Säule der regionalen Gesundheitsversorgung. Rund 270 Menschen sind dort beschäftigt, etwa 60 davon als Ärzte. Allein im Jahr 2025 zählte das Zentrum rund 291.000 Behandlungsfälle.

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die aus Sicht des GZB unzureichende Vergütung ärztlicher und diagnostischer Leistungen. Laut Angaben des GZB blieben im Jahr 2025 rund 1,08 Millionen Euro unbezahlt. Mit Blick auf das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, das erst am 10. Juli 2026 vom Bundestag beschlossen wurde, dürfte sich die Lage nach Einschätzung des Zentrums weiter zuspitzen. Felix Richter führte aus, dass die aktuelle Vergütungssystematik mit dem tatsächlichen Versorgungsauftrag nicht mehr Schritt halte. Als MVZ-Träger, der sowohl ambulante als auch stationäre Leistungen erbringt, ist das GZB von den Änderungen im Vergütungsrecht besonders betroffen.

Ausbildung und Vernetzung als Erfolgsfaktoren

Die Geschäftsführung stellte zudem die Entwicklung des GZB seit der Übernahme der ersten Praxis im Jahr 2002 vor. Die Gründung des Zentrums war damals eine Reaktion auf den Ärztemangel, die spätere Integration in das Universitätsklinikum 2005 galt als strategische Weichenstellung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildungsverantwortung: 15 Ärztinnen und Ärzte sind in elf Fachrichtungen zur Weiterbildung befugt. Hinzu kommt ein eigener Ausbildungsgang für Medizinische Fachangestellte, der 2026 in den vierten Jahrgang startet.

Catrin Steiniger, die seit 2023 die KVBB führt, verwies darauf, dass Netzwerkstrukturen wie die des GZB zeigten, wie ambulante Versorgung in der Fläche funktionieren könne. Anke Speth, selbst leitende Ärztin einer Poliklinik und Präsidentin der VIII. Vertreterversammlung der KVBB, sprach von einem willkommenen Erfahrungsaustausch. Beide Seiten betonten die Notwendigkeit einer engeren Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung und wollen den Dialog in den kommenden Monaten fortsetzen.