Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam erhält Zertifizierung als orthoplastisches Kompetenzzentrum
Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam ist eines von nur sechs deutschen orthoplastischen Kompetenzzentren und kann komplexe Extremitätenverletzungen interdisziplinär behandeln
Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam gehört zu den ersten sechs orthoplastischen Kompetenzzentren, die bundesweit von der Arbeitsgemeinschaft Orthoplastische Chirurgie (AG Orthoplastische Chirurgie) zertifiziert wurden. Die neue Auszeichnung unterstreicht die Fähigkeit des Hauses, extrem komplexe Verletzungen des Bewegungsapparates gemeinsam von Unfall‑ und Plastischen Chirurgen zu behandeln und damit die Amputationsrate deutlich zu senken.
Zertifizierung und Qualitätsstandards
Die AG Orthoplastische Chirurgie ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC). Auf ihrem Treffen im Juni 2026 am Universitätsklinikum Münster wurden die ersten sechs Zentren nach strengen Qualitätskriterien ausgewählt. Ziel ist die Etablierung einheitlicher Standards, die sicherstellen, dass mindestens 80 % der komplexen Extremitätenverletzungen innerhalb der ersten 24 Stunden von einem interdisziplinären Team aus Unfall‑ und Plastischen Chirurgen gemeinsam versorgt werden.
Leitung des Zentrums
Das orthoplastische Zentrum wird von Prof. Dr. med. Gerrit Matthes geleitet, der als ärztlicher Leiter der Klinik für Unfall‑ und Wiederherstellungschirurgie am EvB tätig ist. Neben seiner klinischen Verantwortung ist Matthes Hochschullehrer an der Ernst‑Moritz‑Arndt‑Universität Greifswald und seit 2023 Leiter des TraumaNetzwerk‑Ausschusses der DGU. Er ist zudem ATLS‑Kursdirektor und bringt umfangreiche Erfahrung in der Versorgung schwerer Traumata ein.
Priv.-Doz. Dr. med. Mojtaba Ghods, Chefarzt der Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie/Handchirurgie, ergänzt das Führungsteam. Ghods studierte Medizin an der Universität Heidelberg, war Oberarzt am Katharinen‑Hospital Unna und an der BG‑Klinik Halle, bevor er 2008 die Chefarztposition in Potsdam übernahm. Seine Expertise in der rekonstruktiven Mikrochirurgie ist ein zentraler Baustein des orthoplastischen Ansatzes.
Einbindung in überregionale Netzwerke
Das Klinikum EvB ist seit 2022 als überregionales Trauma‑Zentrum im DGU‑TraumaNetzwerk Deutschland zertifiziert und seit 2024 für das Schwerstverletzungs‑Verfahren der gesetzlichen Unfallversicherung zugelassen. Im Rahmen des G‑BA‑Innovationsfonds‑Projekts „EXPERT“ (2023‑2025) wurden bereits 32 Kliniken in Nord‑West‑Deutschland durch ein digitales Extremitäten‑Board unterstützt – ein Konzept, das als Vorbild für die Arbeitsweise der orthoplastischen Zentren dient. Durch die enge Verzahnung mit dem TraumaNetzwerk kann das EvB‑Zentrum schnell auf komplexe Fälle reagieren und gleichzeitig von den Erfahrungen anderer Traumazentren profitieren.
Rechtsrahmen und Zukunftsperspektiven
Die Zertifizierung beruht auf der G‑BA‑Richtlinie für das Schwerstverletzungs‑Verfahren (2024) sowie den Qualitätskriterien der AG Orthoplastische Chirurgie (2026). Damit wird ein rechtlich gesicherter Rahmen geschaffen, der die interdisziplinäre Versorgung von Mehrfach‑ und Explosionsverletzungen, wie sie etwa im Ukraine‑Krieg häufig vorkamen, langfristig resilienter macht. Das EvB‑Zentrum sieht sich in der Verantwortung, diese Standards weiterzuentwickeln und als Modell für zukünftige orthoplastische Einrichtungen in Deutschland zu dienen.