Jörg Nadler präsentiert auf Archäotechnica die aufwändige Schamanin‑Aufmachung aus Bad Dürrenberg

Jörg Nadler präsentiert auf der Archäotechnica 2026 die aufwändige Rekonstruktion der 9 000‑Jahre‑alten Schamanenaufmachung aus Bad Dürrenberg

Akteur

Jörg Nadler, ein aus Schleswig stammender historischer Fischer, gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den festen Gesichtern der Archäotechnica. Bekannt für seine detailgetreuen Nachstellungen von Fischereitechniken verschiedener Epochen, wurde er 2012 mit dem Mindener Reenactorpreis als bester Einzeldarsteller ausgezeichnet. Neben seiner Arbeit als Praktiker sammelt er ein umfangreiches Inventar historischer Fischereiausrüstungen, das er regelmäßig bei öffentlichen Vorführungen präsentiert.

Schamanin von Bad Dürrenberg

In diesem Jahr widmet sich Nadler einem besonders eindrucksvollen Fund: der Aufmachung der sogenannten „Schamanin von Bad Dürrenberg“. Das Grab, das 1934 entdeckt wurde, ist eine mesolithische Doppelbestattung einer etwa 25‑ bis 35‑jährigen Frau und ihres Säuglings, datiert auf 9000–8600 Jahre vor heute. Mehr als 100 Tierknochen, Geweih von Rehen und Ebern, Vogelfedern, Schildkrötenpanzer, Muschelperlen und kunstvoll gearbeitete Schmuckplatten belegen eine außergewöhnlich reiche Beigabe. Die Funde deuten auf eine hochrangige gesellschaftliche Stellung hin – möglicherweise eine Schamanin, die durch ihre Aufmachung und die Vielzahl ritueller Gegenstände besondere Bedeutung erlangte.

Forschungsergebnisse

Neuere Forschungen aus den Jahren 2019 bis 2022 haben das Bild der Bestattung weiter geschärft. Durch Radiokarbon‑Datierung und archäogenetische Analysen ließ sich nachweisen, dass die Frau dunkle Haut und helle Augen hatte und eng mit dem Kind verwandt war. Diese Ergebnisse ergänzen das archäologische Bild und unterstreichen die Komplexität der sozialen Strukturen in der Mittelsteinzeit. Das Grab gilt heute als das zweitälteste Bestattungsfundstück in Sachsen‑Anhalt und wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.

Veranstaltung

Die Archäotechnica 2026 steht unter dem Motto „Fasern, Kleider, Schmückendes – Mensch und Mode durch die Jahrtausende“. Im Fokus stehen Bekleidung, Schmuck und Körperpflege von der Steinzeit bis zur frühen Neuzeit. Neben Nadlers Präsentation der Schamanin‑Aufmachung bieten die Veranstalter interaktive Mitmach‑Stationen, bei denen Besucherinnen selbst alte Fertigungstechniken ausprobieren können, sowie Modenschauen, in denen rekonstruierte Gewänder und Schmuckstücke getragen werden. Kulinarische Angebote runden das Programm ab und lassen die Besucherinnen die Lebenswelt der Vorfahren noch intensiver erleben.

Eckdaten

Die Veranstaltung findet am 1. und 2. August jeweils von 10 bis 17 Uhr im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg, Neustädtische Heidestraße 28, 14776 Brandenburg an der Havel, statt. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt, Familien können für 10 Euro gemeinsam teilnehmen. Weitere Informationen sind auf der Website des Museums verfügbar.

Durch die Kombination aus wissenschaftlicher Aufbereitung, handwerklichen Vorführungen und erlebnisorientierten Elementen soll die Archäotechnica 2026 ein breites Publikum ansprechen und ein tieferes Verständnis für die modischen und kulturellen Praktiken unserer Vorfahren vermitteln. Jörg Nadler wird dabei nicht nur sein Fachwissen zur Fischerei einbringen, sondern auch die kunstvolle Schmuck‑ und Bekleidungswelt der Schamanin von Bad Dürrenberg anschaulich darstellen.