Havelgarten in Brandenburg feiert am Samstag sein zehnjähriges Bestehen als interkultureller Treffpunkt

Der interkulturelle Gemeinschaftsgarten Havelgarten in Brandenburg wird am Samstag zehn Jahre alt und lädt zum gemeinsamen Fest ein. Aus einer ehemaligen Brache entstand ein Ort der Begegnung, der nun mit einem bunten Programm für Groß und Klein feiert

Symbolfoto · Foto: Dominik Kempf / Unsplash

Am Samstag, 11. Juli, feiert das Team des Havelgartens in Brandenburg an der Havel ein besonderes Jubiläum: Der interkulturelle Gemeinschaftsgarten in Nord wird zehn Jahre alt. Ab 11 Uhr laden die Ehrenamtlichen alle Interessierten ein, gemeinsam auf die vergangenen Dekade zurückzublicken. Egal, ob man schon seit der Gründung dabei ist, aktuell mit anpackt, als Nachbar vorbeischaut oder einfach nur neugierig ist – der Lehmofen wird angeheizt und ein buntes Programm für Groß und Klein steht auf dem Plan.

Von der Brache zum Ort der Begegnung

Die Wurzeln des Projekts reichen bis ins Jahr 2016 zurück. In einer Zeit, in der viele Menschen vor Krieg und Diktatur auf der Flucht waren, entstand in Brandenburg eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Neben der Unterbringung von Geflüchteten in Übergangswohnheimen suchten Ehrenamtliche nach Wegen, um Begegnung und Integration im Alltag zu ermöglichen. Direkt neben einem solchen Übergangswohnheim in der Flämingstraße 17 lag damals eine städtische Brache. Das Gelände von 2.500 Quadratmetern war jahrelang ungenutzt, voller Müll und wild bewachsen.

Gemeinsam wurde die Fläche aufgeräumt. Aus der Brache wurden Hochbeete, Wege angelegt und das Land neu bepflanzt. Die Pflanzen und Werkzeuge kamen aus den unterschiedlichsten Quellen zusammen. Draußen fand nicht nur Gärtnern statt, sondern auch Sprachunterricht, gemeinsames Kochen und Essen. Musik und Gelächter waren ständige Begleiter, aus denen tiefe Freundschaften erwuchsen. Doch der Weg war nicht immer leicht. Es gab auch traurige Momente, wenn Menschen in andere Städte ziehen mussten oder plötzlich verschwanden, weil sie abgeschoben wurden.

Herausforderungen und Errungenschaften

Trotz des starken Zusammenhalts gab es in der Vergangenheit auch Rückschläge. Monika Böhling-Fießinger, die seit fünf Jahren eine treibende Kraft im Garten ist und von Besuchern liebevoll als „Frau Monika“ oder „unser Schiff“ bezeichnet wird, erinnert sich an die schwierigen Seiten: „Es war eine große Enttäuschung, wenn die fast reifen Erdbeeren oder Bohnen am nächsten Tag verschwunden waren oder wenn an das Holz der Hochbeete Feuer gelegt wurde.“ Doch die Gemeinschaft ließ sich davon nicht brechen.

Aus der anfänglichen Notwendigkeit heraus, einen Ort der Begegnung zu schaffen, entwickelte sich ein vielfältiges Projekt. Zu den heutigen Errungenschaften gehören neben den Hochbeeten eine Benjeshecke als lebender Zaun, Nistkästen für Vögel, ein Weideniglus und eine Feuerstelle mit Kochmöglichkeit. Der Garten dient längst nicht mehr nur der Nahrungsmittelproduktion, sondern ist ein Raum für Sprachpraxis, kulturellen Austausch und psychische Entlastung für Geflüchtete.

Ein Fest des Dankes und der Vernetzung

Mit dem Jubiläumstag wollen die Organisatoren Zeit und Raum für Erinnerungen schaffen. Es gilt, Danke zu sagen für die vielfältigen Unterstützungen über die Jahre. Besonders stolz ist das Team darauf, dass so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen den Havelgarten als Ort der Begegnung gepflegt haben. Das Projekt hat mittlerweile auch überregionale Anerkennung gefunden: Der Havelgarten ist Teil des Netzwerks der „Urbane Gärten“ in Deutschland und wurde für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Das Fest läuft am Samstag von 11 bis 16 Uhr. Der Havelgarten befindet sich in der Flämingstraße direkt am Silokanal in 14770 Brandenburg Nord. Wer Kontakt sucht oder sich über das regelmäßige Engagement informieren möchte, kann eine Mail an garten@havelgarten-brandenburg.de senden. Jeden Samstag ab 11 Uhr treffen sich Ehrenamtliche weiterhin zur Gartenpflege und zum gemütlichen Beisammensein.

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