EWP startet Bohrungen am Heizkraftwerk Potsdam Süd für Tiefengeothermie bis 2030

Die Energie und Wasser Potsdam hat am Heizkraftwerk Potsdam Süd mit Bohrungen zur Tiefengeothermie begonnen, um das bis 2030 stillzulegende Kraftwerk zu ersetzen

Nachdem die Energie und Wasser Potsdam (EWP) bereits an der Heinrich-Mann-Allee ihre erste Tiefengeothermie-Anlage erfolgreich in Betrieb genommen hat, verfolgt das Unternehmen nun einen weiteren wichtigen Schritt für die Wärmewende in der Landeshauptstadt: Am Standort des Heizkraftwerks (HKW) Potsdam Süd haben die Bohrungen zur Erschließung des Erdwärmepotenzials im Süden der Stadt begonnen. Die Bohranlage wurde ab dem 22. Juni auf dem Gelände errichtet, und Anfang Juli startete die erste Bohrphase. Die Arbeiten laufen im 24-Stunden-Betrieb und sind zunächst bis Ende des Jahres 2026 geplant. Die umliegende Nachbarschaft wurde über den Beginn der intensiven Arbeiten schriftlich informiert.

Erfolgsmodell Heinrich-Mann-Allee als Vorbild

Das neue Projekt baut auf den positiven Erfahrungen der bereits bestehenden Geothermie-Anlage an der Heinrich-Mann-Allee auf. Diese erste Tiefengeothermie-Einheit liefert mit einer thermischen Leistung von über 4 Megawatt deutlich mehr Energie als ursprünglich prognostiziert; die Planungen hatten von 1,8 bis 2 Megawatt ausgegangen. Damit versorgt die Anlage bereits jetzt bis zu 6.000 Haushalte mit klimafreundlicher Fernwärme. Die EWP setzt nun auf die Skalierung dieses Erfolgs. Geplant sind insgesamt acht Tiefengeothermie-Projekte in Potsdam, um die Wärmeversorgung langfristig zu transformieren. Die geologischen Gegebenheiten im Norddeutschen Becken ermöglichen dabei die Nutzung mehrerer hydrothermaler Reservoirhorizonte.

Stilllegung des HKW Süd bis 2030

Ein zentraler Treiber für die neuen Bohrungen ist die geplante Umstrukturierung der Energieerzeugung im Süden Potsdams. Das Heizkraftwerk Potsdam Süd, das seit 1995 in Betrieb ist, soll bis zum Jahr 2030 stillgelegt werden. An seine Stelle treten dezentrale, erneuerbare Anlagen. Im Erzeugerpark am HKW Süd werden neben der Tiefengeothermie künftig auch Blockheizkraftwerke sowie eine Flusswasserwärmepumpe entstehen. Die erste Bohrphase am neuen Standort liefert dabei nicht nur Wärme, sondern zugleich wichtige Erkenntnisse zur geologischen Schichtenfolge sowie zum genauen Erdwärme- und Solepotenzial vor Ort.

Kooperation mit dem GFZ und politische Weichenstellung

Um die Exploration und das Reservoir-Management fachgerecht zu gestalten, kooperiert die EWP seit Juni 2026 für vier Jahre mit dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung Potsdam. Diese Partnerschaft soll sicherstellen, dass die geothermischen Ressourcen effizient und nachhaltig erschlossen werden. Der politische Rahmen für diese Investitionen wurde kürzlich gesetzt: Die kommunale Wärmeplanung Potsdam wurde im Juni 2026 beschlossen und legt den verbindlichen Pfad für eine fossilfreie Wärmeversorgung der Stadt bis 2045 fest. Die geplante Gesamtleistung aller acht Geothermie-Projekte soll bis 2030 rund 25 Megawatt betragen.

Die Verantwortlichen bei der EWP, darunter der kaufmännische Geschäftsführer Monty Balisch und der technische Geschäftsführer Carsten Schulte, sehen in den aktuellen Bohrungen einen Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt. Während die Arbeiten am HKW Süd weiterlaufen, wird die EWP parallel an der Realisierung der weiteren Projekte arbeiten, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sukzessive zu verringern.

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