Duo con emozione vertont Erich Kästners Zyklus in der Schinkelkirche Petzow

Das Duo con emozione vertont Erich Kästners letzten Gedichtband „Die dreizehn Monate" am 19. Juli in der Schinkelkirche Petzow, wobei Norbert Fietzke die Musik komponierte und Liane Fietzke singt und liest

Symbolfoto · Foto: Lutz Stallknecht / Unsplash

Ein Jahr hat zwölf Monate, Erich Kästners letzter Gedichtband hat dreizehn. „Die dreizehn Monate“ heißt der Zyklus, den das Duo con emozione am Sonntag, 19. Juli, in der Schinkelkirche Petzow aufführt. Norbert Fietzke hat die Gedichte vertont, Liane Fietzke singt, liest und moderiert. Los geht es um 15 Uhr, Einlass ist ab 14.30 Uhr.

Ein literarisches Rätsel aus der Schweiz

Der Zyklus entstand als Auftragsarbeit für die Schweizer Illustrierte. Zwölf der Gedichte erschienen dort zwischen Ende 1952 und Ende 1953 als monatliche Serie. Das Gedicht zum dreizehnten Monat kam erst 1954 hinzu. 1955 erschien der Band schließlich im Atrium Verlag in Zürich, ausgestattet mit Illustrationen von Richard Seewald. Kästner schrieb die Texte als „Großstädter für Großstädter“ und kreiste in ihnen um die Zeit, die man hat oder auch nicht. Besonders der fiktive Schaltmonat im Titelgedicht nimmt das Beste aus allen anderen Monaten zusammen. Grundlage des heutigen Programms ist eine Erstausgabe dieses einzigartigen Bandes.

Musikalische Interpretation im Havelland

Liane und Norbert Fietzke arbeiten seit vielen Jahren musikalisch zusammen. Beide wurden an der Leipziger Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy ausgebildet, weitere Studien führten sie nach Köln und Weimar. Das Duo lebt und arbeitet im Havelland. In ihrer Interpretation verbinden sie Kästners Lyrik mit klassischer Musik, Operette und Filmmelodien. Liane Fietzke übernimmt als Sopranistin die Gesangspartien sowie das Lesen und Moderieren, während Norbert Fietzke am Klavier die Vertonung gestaltet.

Ein Ort mit Panoramablick und Geschichte

Die Aufführung findet in der Schinkelkirche statt, die an der Fercher Straße in Petzow, einem Ortsteil von Werder, liegt. Das Bauwerk wurde 1842 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel auf dem Grelleberg eingeweiht und ersetzte eine alte Fachwerkkirche. Der Bau war nicht ohne Schwierigkeiten; er drohte am preußischen Sparzwang zu scheitern, bevor der spätere König Friedrich Wilhelm IV. intervenierte und der Gutsbesitzer Carl Friedrich August von Kaehne Baumaterial zum Selbstkostenpreis lieferte.

Theodor Fontane beschrieb die Kirche in seinen „Wanderungen durch die Mark“ zunächst spöttisch als „taube Nuss“, lobte aber später den „absoluten“ Panoramablick über die Havel, der sich vom Turm bietet. Seit den 1980er Jahren dient das Gebäude als Kulturort für Konzerte und Ausstellungen. Auch als Außenstelle des Standesamtes Werder (Havel) ist es beliebt; bis 2023 wurden dort fast 1.500 Eheschließungen gefeiert.

Karten für das Konzert gibt es online zuzüglich Gebühr oder an der Tageskasse.