Crumbach räumt weitere Kürzungen im Regionalverkehr ein

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach räumt angesichts der angespannten Haushaltslage weitere Eingriffe in das Angebot des Regionalverkehrs ein

Crumbach räumt weitere Kürzungen im Regionalverkehr ein
Symbolfoto · Foto: Nico Ruge / Unsplash

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) räumt angesichts der angespannten Haushaltslage im Land weitere Eingriffe in das Angebot des Regionalverkehrs ein. Zwar bleibe das übergeordnete Ziel, den bestehenden Verkehr zu sichern, doch schließe dies „Nachjustierungen in einzelnen Bereichen nicht aus“, wie der Minister gegenüber der Märkischen Oderzeitung betonte. Die Rede sei dabei nicht von großen Abbestellungen, aber bei Zügen, die in Randzeiten nur von ein oder zwei Personen genutzt würden, müsse geprüft werden, ob der Verkehr anders organisiert werden kann.

Die finanziellen Spielräume des Landes sind derzeit stark begrenzt. Der Landeshaushalt 2025 schloss mit einem Defizit von rund 364 Millionen Euro, die Gesamtverschuldung belief sich Ende des vergangenen Jahres auf 22,47 Milliarden Euro. Besonders kritisch ist die Lage bei der Allgemeinen Rücklage: Diese ist von ursprünglich 714,7 Millionen Euro auf etwa 350,9 Millionen Euro geschrumpft und wird voraussichtlich noch in diesem Jahr vollständig aufgebraucht sein. Diese Entwicklung zwingt die Landesregierung zu einer strengen Priorisierung aller Ausgaben.

Keine Taktverdichtungen in Sicht

Auf konkrete Forderungen nach einem dichteren Takt auf bestimmten Strecken, etwa nach Rathenow oder Neuruppin, kann Brandenburg aus Crumbachs Sicht aktuell nicht eingehen. „Wir können uns nicht alles leisten, was wünschenswert wäre“, gab der Minister zu bedenken. Er verwies darauf, dass das Land mit der Bahn bereits sehr gut erschlossen sei und die Bevölkerung auf einem hohen Niveau lebe. Taktverbesserungen seien zwar ein erstrebenswertes Ziel, stünden jedoch im direkten Konflikt mit der aktuellen Konsolidierungspflicht des Landeshaushalts.

Auch bei bereits beschlossenen Ausbauprojekten muss die Landesregierung nun einen Gang zurücklegen. Im Rahmen des Infrastrukturprogramms i2030, das den Ausbau von 180 Kilometern Schiene in neun Korridoren sowie die Ertüchtigung von 99 Bahnhöfen in Berlin und Brandenburg vorsieht, wird Crumbach keine Projekte komplett abblasen. Dennoch seien einzelne Vorhaben in eine „Warteschleife“ zu setzen. Das Programm, das ursprünglich als zentraler Baustein für die Zukunft der Schiene in der Region konzipiert wurde, muss sich nun der finanziellen Realität anpassen.

Bereits vollzogene Kürzungen und kommende Baustellen

Die angesprochene Ausdünnung ist kein theoretisches Szenario, sondern bereits Realität. Im Fahrplanwechsel im Dezember 2025 wurden bereits Anpassungen vorgenommen, bei denen schwach frequentierte Fahrten auf der Linie RB27 im Abschnitt Basdorf–Schmachtenhagen gestrichen wurden. Solche Maßnahmen dienen dazu, Ressourcen dort einzusetzen, wo sie die höchste Auslastung und damit die größte Effizienz versprechen.

Parallel zu den Sparmaßnahmen stehen massive Bauprojekte an, die den Verkehr in den kommenden Monaten zusätzlich herausfordern werden. Die Generalsanierung der Lehrter Bahn zwischen Spandau und Rathenow soll zwischen Oktober und Dezember 2026 stattfinden. Diese umfangreichen Arbeiten werden zu einem vollständigen Zugausfall auf diesem Abschnitt führen, sodass die Anbindung an Rathenow und Neuruppin in diesem Zeitraum komplett auf Bus-Ersatzverkehr umgestellt werden muss. Für die Fahrgäste bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung der Mobilität, die durch die gleichzeitig angespannte Haushaltslage kaum durch zusätzliche Angebote kompensiert werden kann.

Robert Crumbach, der seit dem 18. März 2026 das Amt des Ministers für Infrastruktur und Landesplanung innehat, befindet sich damit in einer schwierigen Gratwanderung. Der frühere Vorsitzende der BSW-Fraktion und ehemalige Finanzminister muss nun als SPD-Minister die Balance zwischen den wachsenden Erwartungen an die Infrastruktur und der harten finanziellen Realität finden. Seine ersten 100 Tage im Amt wurden bereits von der Notwendigkeit geprägt, Versprechen der Vergangenheit mit den Mitteln der Gegenwart in Einklang zu bringen.