Zur Übersicht

Bürgermeister Keip verhandelt mit WOBRA über Wiedereröffnung der Bahnhofstoiletten

Bürgermeister Daniel Keip und die Wohnungsbaugesellschaft WOBRA verhandeln über die Wiedereröffnung der Bahnhofs‑Toiletten oder eine Umgestaltung des Vorplatzes

Seit über drei Jahren sind die Toiletten im Hauptgebäude des Brandenburger Hauptbahnhofs gesperrt. Oberbürgermeister Daniel Keip erklärte in einer Havelblatt‑Anfrage, dass die Stadt gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft WOBRA Gespräche mit mehreren Partnern führe, um entweder die Innen‑Toiletten wieder zu öffnen oder den Vorplatz so umzugestalten, dass Reisende zumindest eine angemessene Alternative erhalten.

Hintergrund

Die Schließung geht auf wiederholten Vandalismus zurück. Bereits 2019 wurden die Anlagen stark beschädigt – Urinale wurden herausgerissen, Spiegel zertrümmert, Türen beschädigt und großflächige Graffitis angebracht. Diese Schäden führten zur Kündigung des Pachtvertrags und damit zur dauerhaften Sperrung der Toiletten. Im Zuge der Entwidmung des Bahnhofsgebäudes im Jahr 2023 verlor das Gebäude zudem seinen Status als Bahnhof, was die kommunale Daseinsvorsorge weiter verkomplizierte.

Kosten und Nutzerzahlen

Ein betriebswirtschaftlich tragfähiger Betrieb der Innen‑Toiletten würde laut Angaben der Stadt einen einmaligen Investitionszuschuss von mindestens 150 000 Euro erfordern. Zusätzlich fallen laufende Kosten von etwa 3.500 Euro pro Monat an. Um diese Ausgaben zu decken, wären rund 500 zahlende Nutzer pro Tag nötig – aktuell werden lediglich 30 bis 50 Personen täglich von den vorhandenen Einrichtungen im Vorplatz genutzt.

Eigentümer und Verantwortung

Die Wohnungsbaugesellschaft WOBRA ist Eigentümer des entwidmeten Bahnhofsgebäudes und trägt damit die Verantwortung für eine mögliche Wiederinstandsetzung. Die Stadt Brandenburg hingegen bleibt für die öffentliche Toilette auf dem Vorplatz zuständig, die derzeit als 24‑Stunden‑Container betrieben wird. Viele Reisende, insbesondere Frauen, empfinden diese Lösung jedoch als unzureichend.

Petition und öffentlicher Druck

Im Juli 2025 startete Jörg Rzadkiewicz eine Online‑Petition, die bis zum Frühjahr 2026 1.088 Unterschriften sammelte – damit das angestrebte Ziel von 1.000 Unterschriften deutlich übertroffen wurde. Die Unterschriftenliste wurde Ende Mai in einer Bürgersprechstunde an den Oberbürgermeister übergeben. Der Initiator betonte, dass es bei der Toilettenfrage auch um die Würde der Menschen gehe.

Verhandlungen und mögliche Lösungen

Keip bestätigte, dass Gespräche mit WOBRA und weiteren potenziellen Partnern laufen, jedoch noch kein konkreter Zeitplan für eine Lösung vorliege. „Wir prüfen, ob die bestehende Toilette im Gebäude wieder eröffnet werden kann, oder ob wir die Situation auf dem Vorplatz so umgestalten, dass zumindest eine komfortablere Nutzung möglich ist“, sagte der Oberbürgermeister. Ein dauerhafter Zuschuss für den Betrieb der Innen‑Toiletten sei derzeit nicht realisierbar.

Vergleich mit anderen Bahnhöfen

Ähnliche Diskussionen über die Bereitstellung öffentlicher Toiletten finden auch an anderen regionalen Bahnhöfen in Brandenburg statt, etwa in Neuruppin und Potsdam. Dort wird ebenfalls nach nachhaltigen Finanzierungskonzepten gesucht, um vandalismusbedingte Schließungen zu vermeiden.

Ausblick

Die Brandenburger müssen weiterhin Geduld aufbringen, bis eine tragfähige Lösung gefunden ist. Die laufenden Gespräche zeigen, dass das Thema auf der Agenda der Stadtverwaltung bleibt und sowohl die kommunale Verantwortung als auch die Eigentümerinteressen berücksichtigt werden. Ein konkreter Termin für die Wiedereröffnung der Innen‑Toiletten steht jedoch noch aus.