Bill Kaulitz spricht über queere Übergriffe in Loitsche

Bill Kaulitz thematisiert in seiner neuen Netflix-Serie schwere Übergriffe aus seiner Jugend in Loitsche und reflektiert den Weg von der Scham zum Selbstbewusstsein.

Bill Kaulitz spricht über queere Übergriffe in Loitsche
Symbolfoto · Foto: Vishnu R Nair / Unsplash

Bill Kaulitz (36) blickt in der neuen Staffel seiner Reality-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ zurück auf eine Kindheit, die von Schmerz und Übergriffen geprägt war. Der Frontmann der Band Tokio Hotel spricht erstmals so offen über queere Feindseligkeiten, die er in seiner Jugend in Sachsen-Anhalt erleben musste. „Damals gab es Situationen, in denen mir die Hose runtergezogen wurde oder mir im Schwimmbad zwischen die Beine gefasst wurde“, erzählte der Musiker in einem Interview mit dem Stern. Solche Vorfälle dienten für die Täter oft dazu, sein Geschlecht zu identifizieren. „Das war für mich fast normal, und aus Scham habe ich es oft niemandem erzählt“, gab Kaulitz zu Protokoll. Diesen Schmerz trage er bis heute in sich.

Rückkehr in die frühere Heimat

Die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz reisen aktuell nach Deutschland, um die dritte Staffel ihrer Serie zu bewerben. Nach der Premiere in Berlin sind die neuen Folgen ab morgen auf Netflix verfügbar. Ein zentrales Thema der Staffel ist das Klassentreffen der Brüder in ihrer früheren Heimat Loitsche bei Magdeburg. Die beiden wurden 1989 in Leipzig geboren und wuchsen in Loitsche auf, wo sie mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater lebten. Hier begann auch die musikalische Karriere, die 2001 in Magdeburg mit dem ersten Auftritt der damals noch „Black Question Mark“ genannten Band ihren Anfang nahm, bevor sie ihre späteren Bandmitglieder Georg Listing und Gustav Schäfer kennenlernten.

„Für mich war das sehr heilend“, sagte Bill Kaulitz über die Rückkehr und das Aufarbeiten der Vergangenheit. Er betonte, dass er keinen Groll mit sich herumtragen möchte, da sie beide keine nachtragenden Menschen seien. Auch Tom Kaulitz erinnerte sich positiv an das Treffen, das er als einen der schönsten Momente des vergangenen Jahres bezeichnete. Dennoch ist der Kontrast zwischen damals und heute deutlich: Die Brüder lebten seit 2010 dauerhaft in den USA, nachdem sie Deutschland aufgrund von massivem Stalking, Fan-Hysterie und der Feindseligkeit gegenüber ihrer Lebensweise verlassen hatten.

Ein neues Selbstbewusstsein

In seiner Wahlheimat Los Angeles hat Bill Kaulitz heute das nötige Selbstbewusstsein, um über die traumatischen Erlebnisse zu sprechen. „Weil ich ein anderes Selbstbewusstsein habe, das es mir ermöglicht, meinen Schmerz von damals einzuordnen. Vielleicht sogar zu vergessen“, erklärte er. Der Unterschied im Alltag ist für ihn erheblich. Während er sich in Deutschland damals der Feindseligkeit gegenüber queeren Menschen ausgesetzt sah, kann er heute mit seinen Haaren und seinem auffälligen Stil in der Öffentlichkeit auftreten, da er weiß, dass er sich wehren kann. „Aber ich weiß, dass das für viele andere nicht die Realität ist“, fügte er hinzu.

Leben in den USA

Während Bill Kaulitz in Los Angeles auch seine Einsamkeit als Single thematisiert, lebt sein Zwillingsbruder Tom ein stabiles Familienleben. Tom ist seit 2019 mit der Moderatorin Heidi Klum verheiratet. Bill hingegen setzt sich neben seiner Musik und der Serie stark für Tierschutz ein. Die neue Staffel der Serie „Kaulitz & Kaulitz“ startet am 23. Juli 2026 auf Netflix und bietet einen tiefen Einblick in die Persönlichkeiten hinter den Stars.