Bierfest auf Potsdamer Luisenplatz feiert regionale Braukultur trotz sinkenden Konsums

Das Bierfest auf dem Potsdamer Luisenplatz präsentiert elf brandenburgische Brauereien und feiert regionale Handwerkskunst, obwohl der Bierkonsum im Land 2025 um fast 12 Prozent eingebrochen ist

Bierfest auf Potsdamer Luisenplatz feiert regionale Braukultur trotz sinkenden Konsums
Symbolfoto · Foto: Ploegerson / Unsplash

Ein Stück Regionalität genießen! Unter diesem Motto wurde am Freitagnachmittag, 17. Juli, das Bierfest auf dem Potsdamer Luisenplatz eröffnet. Trotz des gewittrig-warmen Wetters waren um 15 Uhr schon einige Bierfans gekommen, um die brandenburgische Braukunst kennenzulernen. Um 16 Uhr begrüßten Veranstalter und Ehrengäste das Publikum offiziell.

Zu den Rednern gehörten unter anderem Brandenburgs Infrastruktur- und Landesplanungsminister Robert Crumbach, Kai Rückewold, Geschäftsführer des Vereins pro agro e.V., Stefan Frerichs von der Potsdamer Wirtschaftsförderung, Veranstalter Uwe Stamnitz von der P3 Projekt GmbH sowie Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam. Die Moderation der offiziellen Eröffnung übernahm Uwe Oppitz, Geschäftsführer des Finsterwalder Brauhauses.

Politik und Regionalität im Fokus

Minister Robert Crumbach, der erst seit März 2026 das Amt des Infrastruktur- und Landesplanungsministers innehat, erinnerte an die seit 2016 bestehende „Brandenburger Bierstraße“, deren Ausbau weiter vorangetrieben werden müsse. Zugleich appellierte er an die Besucher, für die Heimfahrt den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und dies dann ohne Bierflasche in der Hand. Sein Wunsch: viel Genuss, aber stets verantwortungsvoll und in Maßen.

Kai Rückewold hob die Bedeutung regionaler Veranstaltungen hervor, die Produzenten und Verbraucher zusammenbringen. Genau dafür stehen auch das Bierfest und der Regionalmarkt, der auf der gegenüberliegenden Seite des Luisenplatzes stattfindet. Dort gibt es unter anderem Salami, Likör, Hochprozentiges und auch Süßes zu kaufen – und alles aus dem Land Brandenburg.

Veranstalter Uwe Stamnitz verwies auf das bewusste regionale Konzept der Veranstaltung: Alle elf teilnehmenden Brauereien stammen aus Brandenburg. Auch die Anbieter der obligatorischen Bratwurst oder anderer deftiger Leckerbissen stammen aus der Region. Die Verbindung mit dem Regionalmarkt solle die Vielfalt der handwerklichen Brau- und Lebensmittelkunst des Landes sichtbar machen.

Wirtschaftliche Herausforderungen für die Brauer

Stefan Frerichs überbrachte die Grüße von Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel und würdigte die Leistung der Organisatoren. Besonders lobte er die Verbindung von Bierfest und Regionalmarkt. Die Stadt könne das Fest zwar nicht mehr aktiv finanziell unterstützen, freue sich aber über die gelungene Privatinitiative, die die Veranstaltung dennoch möglich mache. Den Brauereien wünschte er erfolgreiche Tage und gute Umsätze.

Diese sind dringend nötig, denn die Bierbranche kämpft seit Jahren mit rückläufigem Absatz. Nach aktuellen Angaben der Branche sank der Bierkonsum in Brandenburg im Jahr 2025 um rund 11,8 Prozent – ein Wert, der fast doppelt so hoch ist wie der bundesweite Durchschnitt. Der Konsum erreichte damit den niedrigsten Stand seit 1993. Hauptgründe für diesen Rückgang sind veränderte Trinkgewohnheiten jüngerer Generationen sowie der wachsende Marktanteil alkoholfreier Alternativen, der mittlerweile bei etwa 10 Prozent liegt. Hinzu kommt, dass die Zahl der Schankwirtschaften in Brandenburg zwischen 2010 und 2023 um über 30 Prozent gesunken ist, was den Absatzdruck für die regionalen Kleinbrauereien zusätzlich verschärft.

Ein traditionelles Handwerk im Wandel

Ralph Bührig von der Handwerkskammer Potsdam unterstrich die Bedeutung des Brauhandwerks für Brandenburg. Von rund 40.000 Handwerksbetrieben im Land seien 34 Brauereien. Sie stünden für hochwertige handwerkliche Produkte und die Arbeit von Brauern und Mälzern, und zunehmend auch von Brauerinnen. Denn auch die Brandenburger Bierkönigin ist soeben ausgelernte Bierbrauerin.

Vertreter des Brauereiverbandes verwiesen zudem auf die vielen Familienbetriebe unter den Brauereien. Sie stünden für unternehmerisches Engagement, gelebte Tradition, hohe Qualität und ein starkes Miteinander. Genau diese Werte prägen auch das Bierfest auf dem Potsdamer Luisenplatz – ein Fest der regionalen Braukultur, des Handwerks und der Gemeinschaft.

Ein klares Bekenntnis zur regionalen Braukultur kam von Jörg Kirchhoff von der Braumanufaktur Templin. Als überzeugter Bierbrauer und „Bieridealist“ bezeichnete er Bier als ein traditionsreiches Genuss- und Lebensmittel. Historisch habe Bier eine wichtige Rolle gespielt, da Wasser im Mittelalter oft verunreinigt gewesen war. Leicht- und Dünnbiere galten dagegen als sicher, Hopfen wirke zudem antiseptisch. Der Braumeister, für den Bierbrauen sowohl Hobby und Beruf als auch Berufung ist, gilt: „Bier in Maßen getrunken ist gesund.“

Innovation und Höhepunkte

Frisch, frei und nachhaltig – so lautete das Motto des Höhepunkts der Eröffnung: der traditionelle Anstich des Festbieres. Das frisch gezapfte Bier wurde als Freibier ausgeschenkt und fand reißenden Absatz. Genauso wie das Bier zum 80-jährigen Jubiläum der Handwerkskammer, das die Lehrlinge der Braumanufaktur Templin verteilten.

Ein weiterer Gewinn für Schnäppchenjäger war die Verteilung des Bierbrotes: In Zusammenarbeit mit dem BioBackhaus hat die Braumanufaktur ein Tresterbrot entwickelt. Und welches Bier ist denn nun das Beste? Uwe Oppitz, Braumeister aus Finsterwalde, hatte darauf eine klare Antwort parat: „Frisches Bier – und Freibier.“

Das Bierfest ist noch bis Sonntagabend erlebbar!

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Veranstalters unter www.brandenburger-bierfest.de. Ein umfangreiches Bildmaterial vom Fest steht in der Fotogalerie des Havelblatt zur Verfügung.

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