Bergmann-Klinikum Potsdam streicht Orthopädie und Gefäßchirurgie wegen Reform

Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam streicht Orthopädie und Gefäßchirurgie, um die Vorgaben der bundesweiten Krankenhausreform zu erfüllen

Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam zieht sich aus zwei wichtigen Fachbereichen zurück. Die Orthopädie und die Gefäßchirurgie werden am Standort künftig nicht mehr angeboten. Als Grund nennt die Klinikleitung die anstehende bundesweite Krankenhausreform, die eine Bündelung spezialisierter Leistungen an einzelnen Standorten vorschreibt.

Neue Rahmenbedingungen durch die Reform

Die Entscheidung ist eine direkte Folge der neuen gesetzlichen Vorgaben. Seit der Reform werden medizinische Leistungen in sogenannte Leistungsgruppen eingeteilt, die an strenge personelle Qualifikationen und verbindliche Mindestmengen geknüpft sind. Nicht jedes spezialisierte Angebot lässt sich damit dauerhaft an jedem Standort wirtschaftlich und qualitätsgesichert halten.

„Unser Ziel ist dabei klar: Die Menschen in Potsdam und Brandenburg sollen auch künftig auf eine hochwertige, verlässliche und wohnortnahe Versorgung vertrauen können“, erklärt Tomislav Gmajnic, der seit September 2025 alleiniger Geschäftsführer des Klinikums ist. Die Orthopädie und die Gefäßchirurgie des Hauses zählen zu den Leistungen, die nach Einschätzung der Leitung an anderen Standorten bereits erbracht werden und daher nicht mehr doppelt vorgehalten werden müssen.

Auswirkungen auf Personal und Patienten

Die Umstrukturierung hat direkte Konsequenzen für die Belegschaft. Die Streichung der beiden Fachbereiche betrifft zwölf ärztliche Stellen. Das Klinikum hat mitgeteilt, dass bei fehlenden alternativen Einsatzmöglichkeiten im Haus auch Entlassungen nicht ausgeschlossen sind.

Für die Patienten gilt jedoch: Laufende Behandlungen und bereits geplante Termine sollen geordnet weitergeführt werden. Das Klinikum wird betroffene Patienten rechtzeitig und einzeln über das weitere Vorgehen informieren. Ebenso werden niedergelassene Ärzte, Rettungsdienste und weitere Partner im Gesundheitswesen über die Änderungen in Kenntnis gesetzt. Gmajnic betonte ausdrücklich, dass die Entscheidung keine Bewertung der Arbeit der beiden betroffenen Teams darstelle.

Koordinierte Neuausrichtung in Potsdam

Die Veränderungen am Ernst-von-Bergmann-Klinikum sind Teil einer größeren Umwälzung im Potsdamer Gesundheitswesen. Parallel dazu schließt das benachbarte St. Josefs-Krankenhaus der Alexianer zum 1. August 2026 die Bereiche Neurologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Auch dort sind rund 50 Mitarbeiter betroffen.

Die beiden Kliniken wollen sich künftig auf unterschiedliche Schwerpunkte konzentrieren, um Doppelangebote zu vermeiden. Während das St. Josefs-Krankenhaus seine Kapazitäten auf Chirurgie, Innere Medizin, Gefäßmedizin und Orthopädie bündelt, zieht sich das Klinikum Ernst von Bergmann aus genau diesen Bereichen zurück. Diese koordinierte Neuausrichtung soll sicherstellen, dass die medizinische Versorgung in der Landeshauptstadt trotz der Reform erhalten bleibt.

Trend zur Konzentration in Brandenburg

Die Situation in Potsdam spiegelt einen landesweiten Trend wider. Auch in anderen Teilen Brandenburgs sind weitere Schließungen geplant. Die Krankenhausreform zwingt damit viele Einrichtungen zu schwierigen Entscheidungen, um die notwendigen Mindestmengen einhalten zu können und die Qualität der Versorgung langfristig zu sichern.