Rostocker Dankert bricht 56 Jahre WM-Dürre
Der Rostocker Schiedsrichter Bastian Dankert bricht als Videoassistent eine 56 Jahre lange Durststrecke deutscher Unparteiischer bei WM-Endspielen
Für Bastian Dankert aus Rostock ist es der absolute Gipfel: Der 46-jährige Bundesliga-Schiedsrichter war am vergangenen Sonntag als Videoassistent (VAR) beim WM-Finale 2026 im Einsatz. Damit bricht er eine 56 Jahre lange Durststrecke für deutsche Unparteiische bei Weltmeisterschafts-Endspielen. Der letzte Deutsche, der zuvor ein WM-Finale leitete, war 1970 Rudi Glöckner aus Markranstädt bei der Begegnung zwischen Brasilien und Italien. Nun feierte der Rostocker gemeinsam mit der spanischen Mannschaft den 1:0-Sieg (nach Verlängerung) gegen Argentinien.
Ein historischer Moment für deutsche Schiedsrichter
Die Nominierung für das Endspiel zwischen Spanien und Argentinien im New York New Jersey Stadium am 19. Juli 2026 markiert einen Meilenstein in der Karriere des gebürtigen Schweriners. Dankert, der seit 2012 in der Bundesliga pfeift und seit 2014 auf der FIFA-Liste steht, beschrieb die Ernennung als Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn. Besonders bemerkenswert ist, dass er die Rolle des VAR bereits bei der EM 2021 im Finale sowie bei der WM 2022 (als Backup) und der WM 2018 (Platz-3-Spiel) innehatte. Jetzt durfte er selbst die Verantwortung für die entscheidenden Videokontrollen tragen, während der Slowene Slavko Vinčić das Spiel auf dem Rasen leitete.
„Das ist das, wofür du so lange gearbeitet hast“, sagte der 46-Jährige gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er erinnerte sich daran, wie er 2018 erstmals bei einer Weltmeisterschaft eingesetzt wurde und 2022 als Backup diente. „Dass das diesmal geklappt hat, ist auch so etwas wie die Entschädigung für alles, was man auf dem Weg dorthin wirklich aufopferungsvoll liegen gelassen hat.“ Diese Bestätigung kommt für einen Mann, der parallel zu seiner Schiedsrichterlaufbahn auch als Geschäftsführer und Marketingleiter des Fußballverbands Mecklenburg-Vorpommern tätig ist, einer besonders großen Anerkennung gleich.
Vorbereitung und Alltag in den USA
Der Weg zum Finale begann für Dankert und sein Team bereits Monate zuvor. Während die Schiedsrichter auf dem Feld in Miami stationiert waren, bezogen die Videoassistenten ihr Quartier in Irving bei Dallas. Die Vorbereitung war intensiv: Täglich um 10:00 oder 10:30 Uhr trafen sich die Teams zu Analysen, in denen taktische Besonderheiten, Schlüsselspieler und Spielsysteme der Mannschaften bis ins kleinste Detail besprochen wurden. Auch die Reaktion auf rote Karten oder Standardsituationen wie Eckstöße wurde trainiert.
Die physischen Bedingungen in den USA waren fordernd. Bei Temperaturen zwischen 40 und 45 Grad Celsius nutzte die Schiedsrichter-Community eine große Anlage mit eigenem Trainingsplatz, Tennisplätzen und einem klimatisierten Fitnessraum. Doch der Arbeitsalltag war nicht nur harte Arbeit. Dankert hob hervor, dass eine enge Gemeinschaft das Klima in Irving prägte. Da 80 bis 85 Prozent des Teams bereits von der Club-WM 2025 bekannt waren, funktionierte die Zusammenarbeit reibungslos. Tennis, Pickleball und Tischtennis-Turniere lockerten die Atmosphäre in den Pausen zwischen den Spielen auf.
„Das ist kein Dorfturnier“
Besonders im Vorfeld des Finales galt es, die eigene Emotionalität im Zaum zu halten. „Unser Chef hat uns einfach gesagt: Da spielt ein rotes Team gegen ein blau-weißes“, erinnerte sich Dankert an die Anweisungen des Leitungsteams. Dieser Ansatz half, den enormen Druck zu kanalisieren, der auf einem WM-Endspiel lastet, bei dem weltweit über 200 Millionen Menschen zuschauen und Stars wie Lionel Messi gegen Rodri antreten.
Trotz der Anspannung war die Arbeit des VAR-Teams entscheidend für den fairen Verlauf des Spiels. Es gab zahlreiche sogenannte „Silent Checks“, bei denen Szenen im Hintergrund geprüft wurden, ohne das Spiel zu unterbrechen. Dazu gehörten Zweikämpfe auf mögliche Tätlichkeiten hin oder auch das zurecht aberkannte Tor für Spanien. „Es geht ja um den WM-Titel und ist kein Dorfturnier“, betonte Dankert. Ziel war es, den Schiedsrichter auf dem Feld zu unterstützen, damit dieser mutig und stringent agieren konnte.
Nach dem Abpfiff des Finalspiels kehrte Dankert direkt nach Hause zurück. „So richtig verarbeitet habe ich das noch gar nicht. Die Taschen stehen noch im Flur“, sagte er und beschrieb die Überraschungsparty, die ihn in Rostock erwartete. Die 50 Tage in den USA, die seit dem Champions-League-Finale in Budapest im Juni vergangen waren, wirken noch nach. Wenn er nun auf seine WM-Medaille schaut, auf der „Spanien gegen Argentinien“ steht, wird ihm langsam bewusst, was er in den letzten Wochen erreicht hat. Es ist ein Erfolg, der die letzten Jahre der harten Arbeit und der Opfer für das Fußballamt in Mecklenburg-Vorpommern und auf dem Rasen mehr als rechtfertigt.