Regionalliga Nordost legt erste Minute Protestpause ein

Die Regionalliga Nordost startet mit einer Protestminute in die Saison 2026/27, um Druck für eine Reform der Aufstiegsregelung aufzubauen

Regionalliga Nordost legt erste Minute Protestpause ein
Symbolfoto · Foto: Mario Klassen / Unsplash

Die Fußball-Regionalliga Nordost startet in die neue Saison 2026/27 mit einem deutlichen Signal: Am ersten Spieltag, der vom 24. bis 26. Juli stattfindet, werden die Vereine eine geschlossene Protestaktion durchführen. In der ersten Spielminute aller Partien soll der Ball bewusst ruhen. Ziel dieser koordinierten Pause ist es, Druck auf die zuständigen Verbände und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auszuüben, um die seit langem geforderte Reform der Aufstiegsregelung voranzutreiben.

«Das heißt: In der ersten Spielminute wird der Ball in allen Partien ruhen, um entsprechend mit den Fanszenen gemeinsam ein Zeichen zu setzen, dass die Interessen der Vereine umzusetzen sind», erklärte Tommy Haeder, Sprecher der Initiative „Aufstiegsreform“. Haeder, der seit dem 1. Januar 2026 als Geschäftsführer des Chemnitzer FC tätig ist, betonte dabei die Dringlichkeit des Vorgehens. Die Aktion richtet sich gegen das aktuelle System, bei dem nur vier von fünf Regionalliga-Meistern automatisch in die 3. Liga aufsteigen können. Dies führt regelmäßig zu Unmut, da geografische Nachteile bestehen und nicht alle Meister gleich behandelt werden.

Gescheiterte Abstimmung und verbale Gegenwehr

Hintergrund der Proteste ist das gescheiterte Abstimmungsergebnis vom Juni 2026. Damals hatten die fünf Regionalliga-Verbände ihre Mitglieder über verschiedene Reformoptionen befragt. Knapp 51 Prozent der Clubs sprachen sich für das sogenannte Kompassmodell aus, das eine Reduzierung der Staffeln von fünf auf vier vorsieht. Das Modell beinhaltet vier Staffeln mit jeweils 20 Mannschaften. Die Verbände bewerteten dieses Votum jedoch als nicht eindeutig genug, da sie eine einheitliche Zustimmung aller fünf Regionen forderten, die ausblieb.

Besonders im Nordosten, Westen und Norden hatte sich das Kompassmodell durchgesetzt. Der Südwesten plädierte für ein festes Regionenmodell, während Bayern eine völlig andere Lösung bevorzugte. Aufgrund dieser Uneinigkeit ist die ursprünglich angestrebte Umsetzung einer Reform zur Saison 2028/29 vorerst vom Tisch. Zudem kursierten vor der Abstimmung Gerüchte, wonach das Modell kurzfristig geändert worden sei, um statt 20er-Staffeln nur noch 18er-Staffeln vorzusehen. Dies hätte acht Startplätze gekürzt. Haeder und die Initiative wiesen diese Vorwürfe jedoch zurück und bestätigten, dass das unterstützte Modell weiterhin die 20er-Staffeln vorsieht.

Forderung nach DFB-Führung

Die Initiative „Aufstiegsreform“ gibt sich nicht geschlagen, auch wenn der genaue Zeitpunkt für neue Gespräche mit dem DFB derzeit offen ist. Die Bewegung umfasst mittlerweile 77 Vereine von der Oberliga bis zur Bundesliga. «Wenn wir merken, dass wir nicht ernst genommen werden, werden wir deutlich machen, dass wir Lösungen brauchen und wollen. Wir haben es lange mit dem Miteinanderreden versucht. Jetzt braucht es mehr Druck», sagte Haeder gegenüber dem MDR.

Die Hoffnung richtet sich nun darauf, dass der DFB als übergeordnete Instanz mehr Führung übernimmt und die Regionalverbände zu einer gemeinsamen Lösung bewegt. «Wir hoffen auf den DFB, dass er mehr Führung übernimmt. Und die Regionalverbände so mitnimmt, damit es zur Lösung kommt. Ein Weiter so wird es mit uns nicht geben», betonte der Sprecher. Ähnliche Protestformen gab es bereits in der Vergangenheit, etwa 2024, als Vereine mit Transparenten und Sprechchören gegen die aktuelle Aufstiegsregelung demonstrierten. Die geplante Spielminuten-Pause am Saisonstart markiert jedoch eine Eskalation, um die Blockade in der Reformdebatte zu durchbrechen.