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Fünfzig Jugendliche fordern nach Abriss am Packhof einen offiziellen Bikepark in Brandenburg an der Havel.

Nach dem Abriss selbstgebauter Mountainbike-Strecken am Packhof in Brandenburg an der Havel haben sich 59 Jugendliche zusammengeschlossen, um einen offiziellen Bikepark zu fordern. Der 14-jährige Initiator startete eine Petition, die durch den Profi-Lukas Knopf unterstützt wird, nachdem die bisherigen Trainingshügel auf dem BUGA-Areal eingeebnet wurden. Die Stadtverwaltung steht vor der Herausforderung, eine sichere Alternative zu schaffen, da bisher kein kommunaler Bikepark existiert und die Nutzungskonflikte zwischen Spielplätzen und Radstrecken ungelöst blieben.

Fünfzig Jugendliche fordern nach Abriss am Packhof einen offiziellen Bikepark in Brandenburg an der Havel.

In Brandenburg an der Havel hat sich eine kleine, aber leidenschaftliche Gemeinschaft von 59 Kindern und Jugendlichen zusammengefunden, deren Treffpunkt am Packhof nun verschwunden ist. Was für Außenstehende zunächst wie ein paar einfache Erdhügel wirkte, war für die Biker-Gruppe ein zentraler Ort des Trainings, der Freundschaft und der sportlichen Entwicklung. Direkt am Spielplatz auf dem BUGA-Areal hatten die Jugendlichen ihre eigenen Strecken angelegt, um dort täglich an ihren Tricks zu feilen und ihre Fahrtechnik zu verbessern.

Doch Anfang dieser Woche endete diese Ära abrupt: Die Hügel wurden eingeebnet. Wo noch vor wenigen Tagen Sprünge in die Luft führten, liegt der Boden nun flach. Als Grund für die Maßnahme wird von den Jugendlichen angegeben, dass sich Eltern kleinerer Kinder über die Nutzung des Bereichs durch die Mountainbiker beschwert und sich gestört gefühlt hätten. Ob dies der alleinige Auslöser war, ist offiziell noch nicht bestätigt worden. Was jedoch feststeht, ist, dass die Bauarbeiter selbst Verständnis für die Situation zeigten und die Hügel zunächst an eine andere Stelle versetzten – weiter entfernt von den Sitzbänken am Spielplatz. Der neue Untergrund besteht jedoch fast ausschließlich aus lockerem Sand, der für Mountainbikes ungeeignet ist und Sprünge sowie Tricks faktisch unmöglich macht.

Der Konflikt am Packhof

Die Situation am Packhof ist vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung des Geländes besonders komplex. Der Packhof ist ein ehemaliger Hafen- und Industrieort am Stadtrand, der im Rahmen der Bundesgartenschau 2015 stark umgestaltet und in ein modernes Naherholungsgebiet mit Spielplätzen verwandelt wurde. Diese Umwandlung hat zwar die Attraktivität des Ortes für Familien gesteigert, gleichzeitig aber die Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Freizeitgruppen verschärft. Der direkte Konflikt zwischen Spielplatznutzern und Mountainbikern ist ein bekanntes stadtplanerisches Problem, da die notwendigen Sicherheitsabstände für Sprungstrecken oft nicht mit dem unmittelbaren Spielbereich von Kleinkindern vereinbar sind.

Zwar hören wir oft, dass Jugendliche mehr Sport treiben und sinnvolle Freizeitbeschäftigungen finden sollten, doch genau das, was hier entstanden war – eine selbstorganisierte Gemeinschaft ohne Verein und ohne organisiertes Angebot –, wurde ohne ersichtliche Alternative zerschlagen. Viele der Jugendlichen sparen auf ihre Mountainbikes und investieren in hochwertige Schutzausrüstung wie Fullface-Helme und Protektoren, da einige sogar davon träumen, den Sport professionell auszuüben. Dass ihnen nun der einzige verfügbare Ort genommen wurde, ohne eine Perspektive aufzuzeigen, führt zu großer Frustration.

Eine Petition für einen offiziellen Bikepark

Als Reaktion auf den Verlust ihres Treffpunkts hat der 14-jährige Sohn der Verfasserin eine Petition gestartet, die sich für die Einrichtung eines offiziellen Bikeparks in Brandenburg an der Havel einsetzt. Den entscheidenden Anstoß erhielt er dabei erst kürzlich in Oberwiesenthal vom Profi-Mountainbiker Lukas Knopf. Knopf ist nicht nur als Downhill- und Enduro-Rennfahrer aktiv, sondern engagiert sich als Gründer des Radquartier für die Förderung von Radinfrastruktur und Bikeparks in Deutschland. Seine Initiative unterstützt Kommunen dabei, solche Anlagen zu planen und zu finanzieren, um illegale Selbstbauten durch sichere, offizielle Strukturen zu ersetzen.

Die Petition richtet sich nicht gegen die Entscheidung der Stadt, die Hügel zu entfernen, sondern fordert eine Lösung, die den Jugendlichen wieder einen sicheren Ort bietet. Der Zuspruch ist bereits jetzt beachtlich: Innerhalb von weniger als 24 Stunden wurde die Marke von 50 Unterstützern erreicht, am dritten Tag waren es bereits 83 Menschen. Jede Stimme zählt, wobei jede Unterschrift zur Gültigkeit noch per E-Mail oder SMS bestätigt werden muss.

Die städtische Planungslage

Die Forderung nach einem offiziellen Bikepark trifft in Brandenburg an der Havel auf eine lange Diskussion, die bisher jedoch noch keine konkrete Umsetzung gefunden hat. Die Stadt hat in den letzten Jahren mehrfach über die Schaffung von solchen Anlagen debattiert, aber bis dato keinen kommunalen Bikepark für den Freizeitsport realisiert. Während andere Städte in Brandenburg wie Potsdam oder Cottbus bereits offizielle Bikeparks als Modell für eine sichere Nutzung vorweisen können, fehlt es in Brandenburg an der Havel noch an einem geeigneten Standort fernab von Spielplätzen.

Die Stadtverwaltung steht vor der Herausforderung, die rechtlichen Aspekte zu klären, da selbstgebaute Anlagen auf öffentlichem Grund ohne Baugenehmigung und Sicherheitsprüfung oft problematisch sind. Dies erklärt zwar die Ebnung der Hügel, macht die Notwendigkeit einer alternativen Lösung für die 59 betroffenen Jugendlichen aber nicht weniger dringlich. Die Hoffnung der Initiatoren ist, dass durch die Petition und die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger nun endlich der Weg für einen offiziellen Bikepark geebnet wird, an dem Kinder und Jugendliche sicher trainieren und ihre Leidenschaft leben können.