Archäotechniker aus Welzow bieten vier Ferientage mit Handwerk im Paulikloster an

Archäotechniker aus Welzow laden Kinder im August zu vier Tagen mit historischen Handwerkstechniken im Paulikloster ein

Symbolfoto · Foto: Liviu Boldis / Unsplash

Vier Ferientage, vier Workshops: Kinder tauchen ins Handwerk ein

Auch in diesem Jahr laden die Archäotechniker vom Archäotechnischen Zentrum (ATZ) Welzow im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zu einer besonderen Reise in die Vergangenheit ein. Vom 4. bis 7. August verwandeln sich die historischen Mauern des Pauliklosters und sein beschaulicher Klostergarten in eine lebendige Werkstatt, in der Kinder und Jugendliche alte Handwerkstechniken selbst ausprobieren können. Ob das Färben von Textilien mit Naturfarben, die Herstellung von mittelalterlichen Lederbeuteln, das Schmieden von Schmuck nach etruskischem Vorbild oder das Drehen von Wikinger-Glasperlen – für jeden Geschmack ist ein spannendes Angebot dabei.

Die vier Workshops finden jeweils von 10 bis 15 Uhr statt, wobei eine Pause um 12.45 Uhr eingeplant ist. Der Eintritt beträgt 10 Euro pro Kind und Tag. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um eine verbindliche Anmeldung gebeten. Interessierte können sich unter der Telefonnummer 03381 / 410 41 12 (Di bis So, 10 bis 17 Uhr) oder per E-Mail an info@landesmuseum-brandenburg.de melden. Weitere Informationen stehen auf der Website des Museums zur Verfügung.

Farbenfroh und ohne Chemie

Der erste Tag, Dienstag, der 4. August, steht ganz im Zeichen der Farben. Schon lange vor der Erfindung chemischer Farbstoffe gelang es den Menschen, Textilien in allen Regenbogenfarben zu färben. Im Workshop „Farbenfroh – ganz ohne Chemie“ tauchen die Teilnehmer in die Welt der Naturfarbstoffe ein, die bereits vor 1.500 Jahren im Mittelalter genutzt wurden. Unter Anleitung färben die Kinder einen eigenen Baumwollbeutel. Wer ein besonders cooles Muster erzielen möchte, lernt die Technik der Batik kennen. Individuelle Kunstwerke sind dabei garantiert, was den Tag zu einem farbenfrohen Erlebnis für alle macht.

Lederbeutel als historische Geldbörse

Am Mittwoch, dem 5. August, geht es um das Leder. Da es im Mittelalter noch keine Hosen- oder Jackentaschen gab, trugen Männer und Frauen ihre Habseligkeiten in Form von Beuteln oder kleinen Taschen offen am Gürtel oder an der Kleidung. Diese Beutel bestanden meist aus Leder und waren oft mit Stickereien verziert, hübsch punziert oder trugen das Wappen sowie die Initialen des Besitzers. Da archäologische Leder- oder Stoffreste im Boden oft zerfallen, stammen viele Erkenntnisse über das genaue Aussehen dieser Taschen aus zeitgenössischen Bildquellen, Gemälden oder historischen Grabbeigaben.

Im Workshop „Der Lederbeutel: die Geldbörse und Handtasche des Mittelalters“ können die Teilnehmer einen solchen Beutel aus geschmeidigem Leder nach historischen Vorbildern selbst herstellen. Ob es eine typische sogenannte Geldkatze wird oder ein stilvoll verzierter Gürtelbeutel zur Aufbewahrung der Habseligkeiten, entscheiden die Kinder selbst.

Schmuck nach etruskischem Vorbild

Der Donnerstag, der 6. August, widmet sich der Kunst des Schmiedens. Die Etrusker waren Meister darin, außergewöhnlichen Goldschmuck mit filigranen Mustern und Ornamenten aus winzigen Kügelchen und hauchdünnen Drähten zu fertigen. Eine dieser Techniken, die Granulation, gilt bis heute als eine der schwierigsten Methoden der Goldschmiedekunst. Im kreativen Mitmach-Angebot „Kunstschmieden von Schmuck“ gestalten die Kinder ihr eigenes Schmuckstück nach etruskischem Vorbild, wobei die komplexe Technik vereinfacht mit goldglänzender Metallfolie, Wachskordeln, Prägestempeln und Holzwerkzeug nachgebildet wird. Ob Anhänger oder Brosche – jedes Stück wird einzigartig.

Wikinger-Glasperlen drehen

Am letzten Tag, Freitag, dem 7. August, stehen die Wikinger im Fokus. Sie waren nicht nur gute Seefahrer, sondern auch Meister in der Herstellung wunderschöner, bunter Glasperlen. Dies belegen abertausende archäologische Funde, die heute in Museen wie Ribe in Dänemark oder Haithabu in Schleswig-Holstein bewundert werden können. Für die Herstellung einer Glasperle wurde heißes, zähflüssiges Glas über einer Ofenflamme auf einen Metalldorn aufgewickelt – ein Verfahren, das als Perlendrehen bekannt ist.

Im Workshop „Wikinger-Glasperlen“ fertigen die Teilnehmer auf genau diese Weise eigene Perlen. Mit verschiedenfarbigen Gläsern und Mustern können einzigartige Kunstwerke entstehen. Nebenbei erfahren die Kinder viel Wissenswertes rund um die Glaskunst. Als krönenden Abschluss drehen sie sich aus Bastschnur eine Kette, an der ihre selbstgemachten Glasperlen aufgefädelt werden können. Ein spaßiger und lehrreicher Workshop für Kinder und Jugendliche.

Hintergrund und Ort der Veranstaltung

Die Workshops finden im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg statt, das sich im ehemaligen Dominikanerkloster St. Pauli befindet. Das Kloster wurde 1286 gegründet und diente nach der Reformation lange Zeit als Armenhaus und Hospital, bevor es nach umfassender Restaurierung 2008 als Landesmuseum wiedereröffnet wurde. Die handwerklichen Aktivitäten nehmen dabei den historischen Rahmen des Klostergartens in Anspruch, der eine besondere Atmosphäre für museumspädagogische Angebote bietet.

Die Durchführung obliegt dem Archäotechnischen Zentrum (ATZ) Welzow, einem Förderverein aus der Lausitz, der sich als außerschulische Bildungseinrichtung der experimentellen Archäologie verschrieben hat. Das ATZ Welzow arbeitet eng mit dem Lausitzer Seenland zusammen und bietet regelmäßig weitere Programme an, wie etwa „Spaziergänge durch die Steinzeit“ oder „Eine Mütze voll Archäologie“. Die Kooperation zwischen dem Museum im Paulikloster und dem ATZ Welzow ist dabei langjährig und bewährt.