ADFC Brandenburg stellt Ghost Bikes an Unfallorten als Mahnung nach steigender Zahl der Todesopfer auf
Der ADFC Brandenburg stellt weiße Ghost Bikes an Unfallorten auf, um an die 19 im Jahr 2025 getöteten Radfahrer zu erinnern und auf die gescheiterte Vision Zero hinzuweisen
Immer wieder sterben Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr in Brandenburg. Damit diese Tragödien nicht in Vergessenheit geraten, initiiert der Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) das Aufstellen sogenannter Ghost Bikes. Diese weiß besprühten oder bemalten „Geisterräder“ werden an den Orten der tödlichen Unfälle montiert, meist angekettet an einen Mast oder Baum, und dienen als stumme Mahnung. „Die Idee ist es, jeden getöteten Radfahrer sichtbar zu machen“, erklärt Philipp Otto, Sprecher der Potsdamer Ortsgruppe des ADFC.
Allein in Potsdam existieren derzeit elf dieser Gedenkräder, im gesamten Bundesland sind es noch deutlich mehr, wobei der ADFC keine exakte Gesamtzahl führt. Zuletzt wurde ein solches Geisterrad in Babelsberg aufgestellt. Der Ort der Aufstellung ist die Kreuzung Fritz-Zubeil-Straße Ecke Ulmenstraße, an der ein 82-Jähriger von einem Lastwagen überfahren worden war. Otto betont, dass gerade im ländlichen Raum, wo Unfälle seltener wahrgenommen werden, diese Sichtbarkeit von großer Bedeutung ist.
Rücksprache mit Angehörigen entscheidend
Nicht jedes Opfer erhält ein solches Mahnmal, da die Entscheidung stets in enger Abstimmung mit den Hinterbliebenen getroffen wird. „Nicht immer wünschen sich die Angehörigen ein Ghost Bike. Daher stellen wir weniger weiße Fahrräder auf, als es tödliche Unfälle gibt“, erläutert Antje Schregel, Geschäftsführerin des ADFC Landesverband Brandenburg. Ein Beispiel für eine andere Form der Erinnerung ist ein originales Unfallrad, das Angehörige am Neuen Palais aufgestellt haben. Dort war ein 50-Jähriger von einer Autofahrerin erfasst worden, deren Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten war.
Zusätzlich zum Aufstellen der Räder gedenkt der Verband der Toten jährlich beim „Ride of Silence“. Diese internationale Fahrradtour, die traditionell am dritten Mittwoch im Mai stattfindet, führt die Teilnehmer stumm durch die Straßen, um an die Opfer der Verkehrsunfälle zu erinnern.
Vision Zero bleibt vorerst unerfüllt
Die steigende Zahl der Todesopfer steht in krassem Gegensatz zu den politischen Zielen der Landesregierung. Laut der Unfallstatistik der Brandenburger Polizei kamen im Jahr 2025 insgesamt 19 Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben. Im Vorjahr waren es noch 12. Dieser deutliche Anstieg markiert einen Rückschritt in der Verkehrssicherheit.
Für den ADFC belegt diese Entwicklung, dass die „Vision Zero“ der Landesregierung – das Ziel, bis 2030 null Tote und null Schwerverletzte im Verkehr zu haben – derzeit nur eine Vision bleibt. Die Strategie der Landesregierung bis 2030 sieht zwar vor, Schwerverletzte und Tote zu verhindern, doch der Verband fordert nun dringend mehr Investitionen in eine sichere Radinfrastruktur, um dieses Ziel doch noch zu erreichen.